Geflüchtete Menschen haben in Deutschland oft Schwierigkeiten, ein Bankkonto zu eröffnen – besonders wenn sie keinen festen Wohnsitz oder nur eine Duldung oder Aufenthaltsgestattung haben. Dabei ist ein Konto eine wichtige Voraussetzung für den Alltag: für Sozialleistungen, Lohnzahlungen, Krankenversicherung oder Mietzahlungen. In diesem Artikel erfährst du, welche Rechte Geflüchtete bei der Kontoeröffnung haben, welche Banken dich akzeptieren – und wie du auch ohne Meldeadresse ein Konto bekommst.
Haben Geflüchtete in Deutschland ein Recht auf ein Konto?
Ja. Seit 2016 garantiert das Zahlungskontengesetz (§ 31 ZKG) jeder Person mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU ein sogenanntes Basiskonto. Das gilt ausdrücklich auch für:
- Asylbewerber:innen
- Geduldete Personen
- Geflüchtete mit Aufenthaltsgestattung
- EU-Bürger:innen ohne festen Wohnsitz
Das heißt: Auch wenn du keine deutsche Staatsbürgerschaft hast, keinen festen Wohnsitz nachweisen kannst oder keine SCHUFA-Auskunft hast – du hast das Recht auf ein Konto.
Was ist ein Basiskonto?
Ein Basiskonto ist ein einfaches Girokonto, das folgende Funktionen bietet:
- Überweisungen empfangen und senden
- Daueraufträge einrichten
- EC-/Debitkarte für Bargeldabhebungen und Zahlungen
- Kein Dispo oder Kreditrahmen
Jede Bank mit Filialnetz ist verpflichtet, dir auf Wunsch ein Basiskonto anzubieten – außer in sehr speziellen Ausnahmefällen (z. B. bei gefälschten Ausweisen oder Straftaten).
Diese Banken eröffnen Konten für Geflüchtete (2025)
Hier eine Übersicht über Banken, bei denen du als Geflüchtete:r ein Konto eröffnen kannst – auch ohne festen Wohnsitz oder deutschen Pass:
🔹 1. bunq (NL)
- Online-Konto mit deutscher IBAN
- Keine Meldeadresse erforderlich
- Kontoeröffnung mit Reisepass, Aufenthaltsgestattung oder Duldung möglich
- Digitale Identifikation, keine SCHUFA
🔗 [bunq Konto eröffnen – Partnerlink]
🔹 2. Revolut
- Akzeptiert internationale Ausweisdokumente
- Kontoeröffnung ohne Wohnsitznachweis
- Schnelle Anmeldung per App
🔗 [Revolut Konto eröffnen – Partnerlink]
🔹 3. N26
- Kontoeröffnung per VideoIdent
- Akzeptiert Pass oder Aufenthaltstitel
- Voraussetzung: Wohnsitz in EU/EWR – bei Flüchtlingsunterkunft mit Adresse oft möglich
🔗 [N26 Konto eröffnen – Partnerlink]
🔹 4. Sparkasse / Volksbank (Basiskonto)
- Rechtlich verpflichtet, ein Basiskonto anzubieten
- Kontoeröffnung vor Ort in der Filiale
- Benötigt: Pass, Duldung oder Aufenthaltsgestattung, Adresse der Unterkunft (z. B. Notunterkunft)
Tipp: Vorher Termin vereinbaren und ggf. Sozialarbeiter:in oder Übersetzer:in mitnehmen.
Diese Dokumente brauchst du für die Kontoeröffnung
Je nach Bank brauchst du folgende Unterlagen:
| Dokument | Warum notwendig? |
|---|---|
| Reisepass oder Aufenthaltsgestattung | Zur Identifikation |
| Duldung (Fiktionsbescheinigung) | Wird in der Regel akzeptiert |
| Adresse der Unterkunft | Auch Notunterkunft oder Flüchtlingsheim reicht |
| Leistungsbescheid vom Jobcenter | Als Nachweis der Zahlungen (optional) |
| Sprachmittler / Sozialarbeiter | Erleichtert den Prozess in der Filiale |
So beantragst du ein Konto – Schritt für Schritt
✅ Schritt 1: Bank auswählen
Entscheide dich, ob du ein Onlinekonto (bunq, Revolut) oder ein Basiskonto bei einer Filialbank möchtest.
✅ Schritt 2: Dokumente vorbereiten
Sorge dafür, dass dein Ausweisdokument gültig ist. Wenn du keinen Pass hast, genügt oft auch eine Aufenthaltsgestattung oder Duldung.
✅ Schritt 3: Konto beantragen
- Onlinebank: App herunterladen, Ausweis scannen, ggf. Selfie machen
- Filialbank: Termin vereinbaren, Unterlagen mitbringen, Basiskonto beantragen
✅ Schritt 4: Konto erhalten
Du bekommst deine Kontodaten und (falls vorhanden) eine Bankkarte. Bei Onlinebanken meist per Post, bei Filialbanken oft direkt nach Freischaltung.
Häufige Probleme – und wie du sie löst
❌ Problem: Die Bank lehnt dich ab.
✅ Lösung: Verweise auf dein Recht auf ein Basiskonto (§ 31 ZKG). Bestehe freundlich auf die Kontoeröffnung. Hole ggf. Hilfe von einem Sozialarbeiter.
❌ Problem: Keine Meldeadresse vorhanden.
✅ Lösung: Nutze die Adresse der Notunterkunft oder Beratungsstelle. In vielen Fällen reicht das.
❌ Problem: Sprache / Kommunikation.
✅ Lösung: Nimm eine:n Dolmetscher:in oder Sozialarbeiter:in mit zur Filiale oder nutze Banken mit einfacher App-Bedienung in mehreren Sprachen.
❌ Problem: Kein gültiger Pass.
✅ Lösung: Frage nach, ob deine Aufenthaltsgestattung, Duldung oder Fiktionsbescheinigung akzeptiert wird. In vielen Fällen ist das möglich.
Wichtige Tipps für Geflüchtete bei der Kontoeröffnung
- Bewahre alle Unterlagen gut auf (Kopie vom Ausweis, Bestätigung der Kontoeröffnung)
- Achte auf Gebühren: Basiskonten dürfen nicht überteuert sein
- Informiere dich, ob du Lastschriften und Überweisungen kostenlos tätigen kannst
- Nutze dein Konto regelmäßig, damit es nicht automatisch gesperrt wird
Unterstützung & Hilfe
Wenn du Probleme bei der Kontoeröffnung hast, kannst du dich an folgende Stellen wenden:
- Sozialdienste in Unterkünften
- Caritas, Diakonie, AWO
- Flüchtlingsrat deines Bundeslandes
- Jobcenter oder Sozialamt
- Verbraucherzentrale
Diese Stellen können dir helfen, deine Rechte durchzusetzen – oder dich zur Bank begleiten.
Fazit: Auch Geflüchtete haben ein Recht auf ein Konto – und gute Chancen
Auch ohne deutschen Pass, ohne Meldeadresse oder mit unsicherem Aufenthaltsstatus kannst du in Deutschland ein Konto eröffnen. Möglich ist das z. B. bei bunq, Revolut oder N26, aber auch bei klassischen Banken über das Basiskonto (§ 31 ZKG).
Wichtig ist: Lass dich nicht abweisen. Du hast ein gesetzlich verbrieftes Recht auf ein Konto. Wenn du Unterstützung brauchst, stehen dir viele soziale Einrichtungen zur Seite.
Ein eigenes Konto ist der erste Schritt in die finanzielle Selbstständigkeit – und oft Voraussetzung für den Start in ein sicheres Leben in Deutschland.
