Geschäftskonto ohne festen Wohnsitz eröffnen – Möglichkeiten für Freelancer und Selbstständige

Ein Geschäftskonto ist für Selbstständige, Freelancer und Unternehmer heute unverzichtbar. Es dient dazu, private und geschäftliche Finanzen sauber zu trennen, Buchhaltung zu erleichtern und Professionalität gegenüber Kunden zu zeigen. Doch was passiert, wenn man keinen festen Wohnsitz hat – sei es, weil man als digitaler Nomade im Ausland lebt, keine Meldeadresse besitzt oder in mehreren Ländern unterwegs ist?

Die Frage lautet: Kann man ein Geschäftskonto ohne festen Wohnsitz eröffnen – und wenn ja, wie?

Dieser Artikel erklärt, welche Unterlagen benötigt werden, welche Banken infrage kommen, welche Rechte man hat und welche Alternativen es gibt.


Warum ein Geschäftskonto wichtig ist

Egal ob Freelancer, Einzelunternehmer oder Geschäftsführer einer UG/GmbH – ein Geschäftskonto bringt zahlreiche Vorteile:

  • Klare Trennung von Privat- und Geschäftsausgaben
  • Professionelles Auftreten gegenüber Kunden und Geschäftspartnern
  • Einfache Buchhaltung & Steuererklärung
  • Zugang zu Business-Features wie Rechnungsstellung, Buchhaltungs-Integrationen oder Firmenkarten
  • Teilweise Pflicht: Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH, UG) müssen ein Geschäftskonto haben

Wer keinen festen Wohnsitz hat, z. B. als digitaler Nomade, steht jedoch vor besonderen Herausforderungen.


Rechtliche Grundlage: Darf man ohne festen Wohnsitz ein Konto eröffnen?

Grundsätzlich gilt in der EU seit der Zahlungskontenrichtlinie (2014/92/EU):

  • Jede Person mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU hat Anspruch auf ein Basiskonto.
  • Dies gilt auch für Selbstständige und Freiberufler.

Für Geschäftskonten ist die Situation komplexer, da Banken eigene Risikobewertungen vornehmen. Ein Wohnsitz ist oft Voraussetzung – aber nicht immer. Viele FinTech-Banken sind flexibler und erlauben die Kontoeröffnung nur mit Reisepass und Steuernummer.


Unterlagen für die Geschäftskonto-Eröffnung ohne Wohnsitz

Damit eine Bank ein Geschäftskonto eröffnet, benötigt sie mindestens:

  1. Gültigen Reisepass oder Personalausweis (Identitätsprüfung per PostIdent oder VideoIdent).
  2. Postanschrift (nicht zwingend Wohnsitz – auch Postfach oder Geschäftsadresse möglich).
  3. Nachweis der Selbstständigkeit:
    • Gewerbeschein (bei Gewerbetreibenden)
    • Steuernummer / USt-ID (bei Freiberuflern)
    • Handelsregisterauszug (bei GmbH/UG)
  4. Aufenthaltsstatus (bei Ausländern außerhalb der EU).

💡 Tipp: Viele Onlinebanken akzeptieren auch eine virtuelle Geschäftsadresse oder eine digitale Büroanschrift als Nachweis.


Banken & Anbieter für Geschäftskonten ohne Wohnsitz

1. Digitale Banken (FinTechs)

  • N26 Business: Kontoeröffnung nur mit Ausweis, keine feste Adresse in Deutschland nötig (EU-Pass reicht).
  • bunq Business: Europäisches Konto mit IBAN, Anmeldung weltweit möglich.
  • Revolut Business: Internationales Geschäftskonto, ideal für Freelancer und Nomaden.
  • Wise Business: Konto mit Multi-Währungs-Funktion, besonders für internationale Zahlungen.

2. Klassische Banken

  • Deutsche Bank, Commerzbank, Sparkassen: Verlangen in der Regel Wohnsitz in Deutschland, können aber Ausnahmen machen, wenn eine Geschäftsadresse nachgewiesen wird.
  • Postbank Geschäftskonto: Teilweise kulant, wenn Postanschrift vorhanden ist.

3. Alternative Anbieter

  • Finom: Business-Konto für Freelancer, Anmeldung mit Ausweis und Steuernummer.
  • Kontist: Geschäftskonto speziell für Freelancer in Deutschland, Kooperation mit Solarisbank.
  • Payoneer: Konto für internationale Zahlungen, besonders im E-Commerce und Freelancing beliebt.

Probleme & Hürden bei der Kontoeröffnung ohne Wohnsitz

Trotz Rechtsanspruch gibt es in der Praxis einige Schwierigkeiten:

  • Wohnsitznachweis: Klassische Banken bestehen oft auf Meldebescheinigung.
  • Compliance & Geldwäschegesetz: Strenge Identitätsprüfungen führen zu Ablehnungen.
  • Einschränkungen: Manche Banken bieten ohne Wohnsitz nur eingeschränkte Kontomodelle an.
  • Steuerliche Fragen: Bei Wohnsitz im Ausland kann es zu Rückfragen durch Finanzämter kommen.

Alternativen: Geschäftskonto im Ausland eröffnen

Wenn deutsche Banken Probleme machen, lohnt sich ein Blick ins Ausland:

  • Estland (E-Residency): Mit der E-Residency können Selbstständige und Firmen ein EU-Konto eröffnen.
  • Litauen: Viele FinTechs sitzen dort und sind international ausgerichtet.
  • Malta & Zypern: Beliebt bei internationalen Unternehmen.
  • Schweiz: Möglich, aber strenge Auflagen & hohe Kosten.

👉 Vorteil: Internationale Banken sind oft flexibler bei Wohnsitz-Fragen.


Tipps für Freelancer & Selbstständige ohne Wohnsitz

  1. Digitale Banken nutzen: N26, bunq, Revolut und Wise sind die einfachsten Lösungen.
  2. Geschäftsadresse einrichten: Virtuelle Büroadresse oder Postadresse macht vieles leichter.
  3. Frühzeitig planen: Konto rechtzeitig eröffnen, bevor Zahlungen eingehen.
  4. Rechtsanspruch kennen: Bei Ablehnungen auf das Recht auf ein Basiskonto hinweisen.
  5. Steuern beachten: Kontoeröffnung im Ausland hat steuerliche Folgen (z. B. Meldung ans Finanzamt).

FAQ: Geschäftskonto ohne Wohnsitz

Kann ich als digitaler Nomade ein Geschäftskonto in Deutschland eröffnen?
Ja – besonders bei Onlinebanken wie N26 oder bunq. Klassische Banken sind strenger.

Brauche ich eine deutsche Adresse?
Nicht zwingend. Eine Postanschrift oder virtuelle Geschäftsadresse reicht oft.

Gibt es Geschäftskonten ohne Schufa?
Ja – insbesondere bei FinTechs und Basiskonten.

Welche Alternative habe ich, wenn deutsche Banken ablehnen?
Ein Auslandskonto (z. B. Revolut, Wise, E-Residency in Estland).


Fazit: Geschäftskonto ohne festen Wohnsitz

Ein Geschäftskonto ohne festen Wohnsitz ist möglich – auch wenn klassische Banken oft streng sind. Dank der EU-Zahlungskontenrichtlinie und moderner FinTechs haben Freelancer und Selbstständige heute viele Optionen.

  • Pflichtdokumente: Ausweis, Steuernummer/Gewerbeschein, Postanschrift.
  • Beste Optionen: Digitale Banken wie N26 Business, bunq, Revolut oder Wise.
  • Alternativen: Auslandskonten oder virtuelle Geschäftsadressen.

👉 Wer vorbereitet ist, seine Rechte kennt und auf moderne Anbieter setzt, kann auch ohne Wohnsitz problemlos ein Geschäftskonto eröffnen – und seine Selbstständigkeit professionell führen.

Schreibe einen Kommentar