Ein Girokonto ist heute für fast alle Menschen unverzichtbar – auch für Kinder und Jugendliche. Es ermöglicht den bargeldlosen Zahlungsverkehr, den Empfang von Taschengeld, Nebenjobverdiensten oder staatlichen Leistungen. Doch was passiert, wenn ein Minderjähriger keinen festen Wohnsitz hat?
Sei es, weil die Familie umzieht, im Ausland lebt oder wohnungslos ist – die Kontoeröffnung wird dadurch oft komplizierter. Dieser Ratgeber erklärt, welche rechtlichen Grundlagen gelten, welche Banken infrage kommen und welche Alternativen es gibt.
1. Warum Minderjährige ein Girokonto brauchen
Schon ab dem Teenageralter werden Konten wichtig, um:
- Taschengeld oder Gehalt aus Nebenjobs zu empfangen
- Online-Einkäufe und Streamingdienste zu nutzen
- Mobil und bargeldlos zu bezahlen
- Den verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu lernen
Viele Schulen und Ausbildungsstätten setzen ein Konto sogar voraus.
2. Rechtliche Grundlagen für Minderjährige ohne Wohnsitz
In Deutschland gilt:
- Minderjährige können ein Konto nur mit Zustimmung der Eltern oder gesetzlichen Vertreter eröffnen (§ 107 BGB – „Einwilligung der Eltern“).
- Auch Minderjährige haben ein Recht auf ein Basiskonto (§ 31 ZKG), unabhängig vom Wohnsitzstatus.
- Der fehlende Wohnsitz darf nicht automatisch zur Ablehnung führen, sofern eine Zustelladresse vorhanden ist.
3. Die Rolle der Eltern oder Vormünder
Für die Kontoeröffnung sind bei Minderjährigen zwingend erforderlich:
- Einverständniserklärung aller Sorgeberechtigten
- Ausweis oder Reisepass des Kindes
- Ausweis der Eltern/Vormünder
Fehlt eine feste Meldeadresse, können alternative Adressen genutzt werden:
- C/O-Adresse bei Bekannten oder Verwandten
- Adresse einer Einrichtung (z. B. Jugendamt, Wohngruppe)
- Postfach
4. Herausforderungen ohne festen Wohnsitz
Banken wollen in der Regel eine Adresse aus zwei Gründen:
- Zustellung von Kontoauszügen und Karten
- Erfüllung gesetzlicher Melde- und Identifikationspflichten
Ohne Adresse lehnen viele Banken den Antrag ab – obwohl dies bei Basiskonten rechtlich nicht zulässig ist.
5. Banken, die Girokonten für Minderjährige ohne Wohnsitz anbieten
1. Sparkassen
- Bieten spezielle Jugendgirokonten an
- In vielen Fällen reicht eine Zustelladresse (Postfach, C/O-Adresse)
- Kontoeröffnung in der Filiale mit Eltern
2. Volksbanken/Raiffeisenbanken
- Jugendkonten ab 7 oder 12 Jahren
- Akzeptieren alternative Adressen, wenn Vormundschaft nachgewiesen ist
3. N26 (ab 18, mit Basiskonto ab 16 in Ausnahmefällen)
- Kontoeröffnung per App
- Zustelladresse reicht aus, keine Meldepflicht in Deutschland
- Für jüngere Minderjährige nicht geeignet, aber für späte Teenager eine Option
4. FinTechs wie Monese oder bunq
- Eröffnen Konten mit Reisepass + Zustimmung der Eltern
- Teilweise Kontoeröffnung aus dem Ausland möglich
6. Schritt-für-Schritt: Kontoeröffnung für Minderjährige ohne Wohnsitz
Schritt 1 – Bank auswählen
Prüfen, ob die Bank Basiskonten oder Jugendkonten ohne Wohnsitznachweis anbietet.
Schritt 2 – Zustelladresse organisieren
Postfach, C/O-Adresse oder Adresse einer Einrichtung.
Schritt 3 – Unterlagen zusammenstellen
- Ausweise des Kindes und der Eltern/Vormünder
- Einverständniserklärung
- Eventuell Vormundschaftsnachweis
Schritt 4 – Konto eröffnen
Vor Ort in der Filiale oder online per Video-Ident (bei Direktbanken).
7. Besondere Situationen
Wohnungslose Familien:
Oft helfen Sozialdienste oder Jugendämter bei der Kontoeröffnung. Manche Städte stellen Bescheinigungen aus, die als „Ersatzadresse“ genutzt werden können.
Kinder im Ausland:
Wer als deutscher Staatsbürger im Ausland lebt, kann bei einigen deutschen Direktbanken trotzdem ein Konto eröffnen – sofern eine Zustelladresse in Deutschland vorhanden ist.
Jugendliche ohne Eltern in Obhut des Jugendamts:
Hier übernimmt das Jugendamt die Rolle des gesetzlichen Vertreters und kann ein Konto beantragen.
8. Kosten und Konditionen
Die meisten Jugendgirokonten sind kostenlos, solange der Inhaber minderjährig ist.
Leistungen können umfassen:
- Kostenlose EC-/Debitkarte
- Onlinebanking und Banking-App
- Bargeldabhebungen im In- und Ausland
- Keine Kontoführungsgebühren
Achtung: Nach Erreichen der Volljährigkeit können Gebühren anfallen.
9. Alternativen zum klassischen Girokonto
- Prepaid-Kreditkarten mit IBAN-Funktion (z. B. von PayCenter oder Viabuy)
- Taschengeldkarten von FinTechs wie Revolut Junior oder bunq Travel Card
- Konto im Ausland bei Banken, die keine Wohnsitzpflicht haben
10. Tipps für Eltern und Betreuer
- Frühzeitig klären, welche Bank flexibel ist
- Basiskonto-Rechtsanspruch kennen und ggf. geltend machen
- Bei Ablehnung schriftliche Begründung verlangen
- Regelmäßige Adressaktualisierung sicherstellen, um Kartensperrungen zu vermeiden
11. Fazit – Kontoeröffnung für Minderjährige ohne Wohnsitz ist möglich
Auch wenn Banken oft eine Meldeadresse verlangen, ist die Kontoeröffnung für Minderjährige ohne festen Wohnsitz rechtlich möglich – dank des Anspruchs auf ein Basiskonto. Wichtig ist eine erreichbare Zustelladresse und die Zustimmung der Eltern oder Vormünder. Mit der richtigen Vorbereitung können Kinder und Jugendliche auch ohne festen Wohnsitz ein eigenes Girokonto führen – und so den sicheren Umgang mit Geld erlernen.
