Konto eröffnen mit Postfach statt Wohnadresse – geht das in Deutschland?

Einleitung

Ein eigenes Bankkonto ist in Deutschland für viele Dinge unverzichtbar: Gehalt empfangen, Rechnungen bezahlen oder Mietkosten überweisen. Doch was passiert, wenn man keine feste Wohnadresse hat? Viele Menschen überlegen dann, ob sich ein Postfach als Ersatzadresse eignet, um trotzdem ein Konto zu eröffnen.
Aber ist das überhaupt möglich? In diesem Artikel erfährst du, ob Banken ein Postfach akzeptieren, welche rechtlichen Vorgaben gelten und welche Alternativen es gibt.


1. Warum Banken eine Wohnadresse verlangen

In Deutschland gelten strenge Regeln für die Eröffnung von Bankkonten. Banken müssen die Identität ihrer Kunden zweifelsfrei feststellen (KYC-Verfahren = Know Your Customer). Dazu gehört in der Regel:

  • Vorlage eines gültigen Ausweises (Personalausweis oder Reisepass)
  • Angabe einer ladungsfähigen Adresse (Wohnsitz, Meldeadresse)
  • Prüfung durch PostIdent oder VideoIdent

Ein Postfach gilt nicht als ladungsfähige Adresse, weil dort keine Person dauerhaft gemeldet ist. Banken benötigen eine Adresse, um im Ernstfall rechtliche Dokumente zustellen zu können.


2. Kann man ein Konto nur mit Postfach eröffnen?

Die kurze Antwort: ❌ Nein – ein Postfach reicht in Deutschland nicht aus, um ein reguläres Girokonto zu eröffnen.

  • Bei der Kontoeröffnung wird im Ident-Verfahren geprüft, ob die Adresse mit dem Ausweisdokument übereinstimmt.
  • Da ein Postfach keine Wohnanschrift ist, wird es von Banken abgelehnt.
  • Auch bei Onlinebanken wie N26, DKB oder ING ist ein Postfach nicht zulässig.

3. Ausnahmen und Sonderfälle

Es gibt jedoch einige Sonderlösungen, die je nach Situation funktionieren können:

  1. Basiskonto nach Zahlungskontengesetz
    – Jeder Bürger in der EU hat einen Anspruch auf ein Basiskonto. Dieses Konto muss auch Menschen ohne festen Wohnsitz ermöglicht werden.
    – Banken dürfen die Kontoeröffnung nicht allein wegen fehlender Meldeadresse verweigern.
    – Statt einer Adresse kann z. B. die Anschrift einer Sozialberatungsstelle genutzt werden.
  2. Virtuelle Bankkonten
    – Anbieter wie Wise, Revolut oder Paysera eröffnen Konten ohne klassische Wohnsitzprüfung.
    – Hier genügt oft ein Ausweis und eine Telefonnummer, eine feste Wohnadresse ist nicht zwingend erforderlich.
  3. Konto im Ausland
    – In manchen EU-Ländern (z. B. Litauen, Estland, Belgien) ist die Kontoeröffnung mit geringeren Adressnachweisen möglich.
    – Dort kann ein Konto leichter auch ohne Wohnsitz eröffnet werden.

4. Welche Alternativen gibt es zum Postfach?

Da ein Postfach nicht ausreicht, gibt es folgende Optionen:

  • Sozialadresse nutzen: Viele Städte bieten Menschen ohne festen Wohnsitz die Möglichkeit, eine „Postadresse“ beim Sozialamt oder bei Wohlfahrtsverbänden einzurichten.
  • Freunde oder Familie: Wer bei Bekannten vorübergehend gemeldet ist, kann diese Adresse nutzen.
  • Ausländische Onlinebanken: Virtuelle Konten mit IBAN funktionieren auch ohne deutsche Adresse.
  • Prepaid-Konten mit IBAN: Einige Anbieter vergeben eine deutsche IBAN auch ohne Wohnsitznachweis.

5. Rechtliche Grundlage – Anspruch auf ein Konto

Das Zahlungskontengesetz (ZKG) verpflichtet Banken, jedem Verbraucher ein Basiskonto anzubieten – auch ohne festen Wohnsitz.
Das bedeutet konkret:

  • Banken dürfen ein Konto nicht nur wegen fehlender Meldeadresse ablehnen.
  • Stattdessen können alternative Adressen angegeben werden (z. B. Beratungsstellen).
  • Ablehnungen sind nur in Ausnahmefällen erlaubt (z. B. bei Geldwäscheverdacht).

6. Warum ein Postfach allein nicht reicht

Ein Postfach ist zwar praktisch für die Postzustellung, erfüllt aber nicht die Anforderungen für eine ladungsfähige Adresse.
Das Problem:

  • Banken müssen Kunden im Streitfall postalisch erreichen können.
  • Postfächer sind nicht eindeutig einer Person zugeordnet.
  • Bei rechtlichen Zustellungen (z. B. Gericht, Inkasso) reicht ein Postfach nicht aus.

7. Für wen ist ein Konto ohne Wohnsitz wichtig?

Die Frage betrifft verschiedene Personengruppen:

  • Obdachlose Menschen: Ohne Konto kein Zugang zu Sozialleistungen.
  • Flüchtlinge & Asylbewerber: Häufig ohne feste Adresse, aber mit Anspruch auf ein Basiskonto.
  • Digitale Nomaden & Vielreisende: Leben oft ohne dauerhafte Meldeadresse in Deutschland.
  • Menschen mit Schulden: Wer keine Wohnung hat oder untergetaucht ist, benötigt oft ein alternatives Konto.

8. Fazit – Postfach ist keine Lösung, Alternativen schon

Ein Konto in Deutschland nur mit Postfach zu eröffnen, ist nicht möglich. Banken akzeptieren ausschließlich ladungsfähige Adressen.
Aber: Niemand muss ohne Konto bleiben. Dank des gesetzlichen Anspruchs auf ein Basiskonto sowie moderner virtueller Bankkonten gibt es praktikable Alternativen.

👉 Wer keinen Wohnsitz hat, sollte prüfen:

  • Basiskonto bei einer deutschen Bank beantragen (ggf. mit Hilfe einer Sozialadresse).
  • Virtuelle Anbieter wie Wise oder Revolut nutzen.
  • Ausländisches Konto als zusätzliche Option in Betracht ziehen.

So lässt sich auch ohne Wohnadresse ein sicheres und funktionierendes Konto führen.

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