Für viele Menschen in Deutschland ist ein Bankkonto selbstverständlich. Doch wer einen negativen Schufa-Eintrag hat und keinen festen Wohnsitz nachweisen kann, stößt bei der Kontoeröffnung oft auf massive Hindernisse. Die meisten Banken prüfen bei der Kontoeröffnung nicht nur die Identität, sondern auch die Bonität – und bestehen zusätzlich auf einer Meldeadresse. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, ein Konto zu bekommen, das sowohl ohne Schufa-Abfrage als auch ohne festen Wohnsitz funktioniert.
1. Die Hürden: Schufa & Meldeadresse
Die beiden größten Probleme bei der Kontoeröffnung in diesem Fall sind:
- Negative Schufa: Banken fürchten Zahlungsausfälle und lehnen viele Anträge ab.
- Fehlende Meldeadresse: Laut Geldwäschegesetz müssen Banken zwar die Identität, aber nicht zwingend eine Meldeadresse prüfen – viele Institute verlangen sie jedoch trotzdem.
Für Betroffene kann das bedeuten, dass sie weder ein klassisches Girokonto noch einen Dispokredit bekommen.
2. Gesetzlicher Anspruch auf ein Basiskonto
Seit 2016 haben alle Menschen in der EU das Recht auf ein Basiskonto (§ 31 Zahlungskontengesetz – ZKG). Das gilt auch für:
- Personen mit negativer Schufa
- Menschen ohne festen Wohnsitz
- Ausländer mit oder ohne Aufenthaltstitel
Ein Basiskonto ermöglicht:
- Bargeldabhebungen
- Überweisungen
- Lastschriften
Wichtig: Auch wenn ein Basiskonto nicht abgelehnt werden darf, erheben viele Banken dafür monatliche Gebühren.
3. Girokonto ohne Schufa – Was bedeutet das?
Ein Girokonto ohne Schufa heißt, dass die Bank bei der Kontoeröffnung keine Bonitätsprüfung durchführt oder das Ergebnis nicht als Ablehnungsgrund nutzt. Meist handelt es sich dabei um:
- Prepaid-Konten (nur Guthaben, kein Dispo)
- Basiskonten (gesetzlich garantiert)
- Konten von E-Geld-Instituten (nicht immer mit deutscher IBAN)
Diese Konten sind für Menschen mit negativer Schufa oft die einzige Option.
4. Konto ohne Meldeadresse – Wie geht das?
Auch wenn viele Banken eine Meldeadresse verlangen, ist diese rechtlich nicht zwingend vorgeschrieben, solange die Identität zweifelsfrei festgestellt werden kann.
Alternativen zur klassischen Wohnadresse sind:
- C/O-Adresse bei Freunden oder Familie
- Postfach (nicht bei allen Banken akzeptiert)
- Adresse einer Beratungsstelle (Caritas, Diakonie, AWO)
- Virtuelle Postadresse (z. B. Anbieter wie Clevver oder Dropscan)
5. Banken und Anbieter, die möglich sind
1. N26
- Onlinebank mit kostenloser Kontoführung im Standardtarif
- Kontoeröffnung per Video-Ident, nur Zustelladresse erforderlich
- Keine Schufa-Abfrage bei Basiskonto
2. bunq
- Niederländische Onlinebank, Kontoeröffnung in wenigen Minuten
- Keine feste Adresse in Deutschland nötig
- Kostenpflichtig ab ca. 2,99 € pro Monat
3. Monese
- Britisch-belgischer Anbieter mit kostenloser Basisversion
- Keine Schufa, kein Wohnsitznachweis in Deutschland
- App-basiert, virtuelle und physische Karte
4. PayCenter (Konto ohne Schufa)
- Deutscher Anbieter mit P-Konto-Option
- Eröffnung auch ohne Wohnsitz in Deutschland möglich
- Kostenpflichtig, aber Schufa-neutral
5. Revolut
- Litauische E-Geld-Bank
- Keine Bonitätsprüfung, Adresse nur für Kartenversand
- Kostenloser Standardtarif
6. Kostenlose vs. kostenpflichtige Konten
- Kostenlose Konten: Meist bei FinTechs oder Direktbanken, oft mit Einschränkungen (z. B. nur wenige kostenlose Bargeldabhebungen).
- Kostenpflichtige Konten: Bei deutschen Banken üblich, Gebühren zwischen 4,90 € und 9,90 € monatlich.
7. Schritt-für-Schritt zur Kontoeröffnung
Schritt 1 – Anbieter auswählen
Prüfe, ob die Bank eine Schufa-Abfrage macht und ob eine Meldeadresse erforderlich ist.
Schritt 2 – Online oder in der Filiale beantragen
- Direktbanken und FinTechs: Antrag komplett online
- Filialbanken: Persönlich vor Ort
Schritt 3 – Identitätsprüfung
- Per Video-Ident (Kamera am Smartphone/PC)
- Per Post-Ident (in einer Postfiliale)
Schritt 4 – Zustelladresse angeben
Diese muss erreichbar sein, um Karten oder Briefe zu erhalten.
8. Tipps für die Kontoeröffnung ohne Schufa und Wohnsitz
- Direktbanken bevorzugen: Flexibler und oft weniger streng bei Adressnachweisen.
- Postadresse organisieren, bevor du den Antrag stellst.
- Keine falschen Angaben machen – falsche Adressen können zur Kündigung führen.
- Preis- und Leistungsverzeichnis prüfen, um versteckte Gebühren zu vermeiden.
9. Konto im Ausland als Alternative
Manchmal ist es einfacher, ein Konto im EU-Ausland zu eröffnen. Vorteile:
- Keine deutsche Schufa-Prüfung
- EU-IBAN für SEPA-Überweisungen
- Oft vollständig online möglich
Beispiele:
- Paysera (Litauen)
- Wise (UK/Litauen)
- Ferratum Bank (Malta)
10. Häufige Probleme – und Lösungen
Problem: Bank lehnt Antrag trotz gesetzlichem Anspruch ab
- Lösung: Schriftlich auf § 31 ZKG hinweisen, notfalls BaFin-Beschwerde einreichen
Problem: Karte kommt nicht an
- Lösung: Sichere Postadresse nutzen oder Postweiterleitung einrichten
Problem: Hohe Kontogebühren
- Lösung: Anbieterwechsel zu günstigeren Direktbanken oder FinTechs
11. Fazit – Kontoeröffnung ist möglich
Auch mit negativer Schufa und ohne festen Wohnsitz ist es möglich, ein Bankkonto zu eröffnen. Dank gesetzlichem Anspruch auf ein Basiskonto und der Flexibilität moderner Onlinebanken gibt es heute mehr Optionen als je zuvor. Wer die passenden Anbieter kennt und eine erreichbare Zustelladresse nutzt, kann schnell wieder am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilnehmen – und das oft sogar kostenlos.
