Kontopfändung ohne festen Wohnsitz – Wie du trotzdem geschützt bist

Eine Kontopfändung ist für viele Menschen ein existenzielles Problem. Doch was passiert, wenn du keinen festen Wohnsitz hast? Kann dein Konto überhaupt gepfändet werden? Und wie sicherst du dir trotzdem deinen Pfändungsschutz, wenn du wohnungslos bist oder keine Meldeadresse hast? In diesem Artikel erfährst du, wie du dich bei einer Kontopfändung ohne festen Wohnsitz schützt – rechtlich, praktisch und mit klaren Handlungsschritten.

Was ist eine Kontopfändung?

Eine Kontopfändung erfolgt, wenn ein Gläubiger einen vollstreckbaren Titel hat und das Amtsgericht eine Pfändung deines Bankkontos erlaubt. Deine Bank ist dann verpflichtet, Guthaben auf deinem Konto an den Gläubiger zu überweisen – außer du schützt dein Konto rechtzeitig.

Der gesetzliche Schutzmechanismus dafür ist das sogenannte P-Konto (Pfändungsschutzkonto).

P-Konto: Dein Recht auf Pfändungsschutz – auch ohne Meldeadresse

Jede Person in Deutschland hat das Recht, ein bestehendes Girokonto in ein P-Konto umzuwandeln. Dies gilt auch für Menschen ohne festen Wohnsitz, ohne Einkommen oder mit Schulden. Wichtig:

  • Die Bank darf die Einrichtung eines P-Kontos nicht ablehnen.
  • Du brauchst keinen Wohnsitznachweis, um dein Konto schützen zu lassen.
  • Das P-Konto schützt bis zu 1.410 € pro Monat (Stand 2025).

Der Pfändungsschutz ist gesetzlich geregelt und unabhängig davon, ob du eine Adresse hast oder nicht.

Wie funktioniert ein P-Konto ohne festen Wohnsitz?

Auch ohne Meldeadresse kannst du ein P-Konto führen. Du musst der Bank lediglich eine erreichbare Postadresse nennen. Das kann sein:

  • die Adresse eines Familienangehörigen
  • die Adresse eines Freundes (mit dessen Zustimmung)
  • eine Beratungsstelle oder Notunterkunft
  • eine Postadresse bei einem Sozialdienst oder einer Caritas-Stelle

Wichtig ist, dass du über die Adresse erreichbar bist – damit dir Post der Bank oder vom Gericht zugestellt werden kann.

Wo kannst du ein P-Konto eröffnen?

Grundsätzlich bei jeder Bank, bei der du ein Girokonto führst oder eröffnen möchtest. Besonders hilfreich bei Kontopfändung ohne Wohnsitz sind:

  • Deutsche Bank – Akzeptiert P-Konto auch ohne festen Wohnsitz
  • Postbank – Mit schriftlicher Bestätigung einer Beratungsstelle
  • Sparkassen – Regional unterschiedlich, aber oft kulant
  • N26 – Online-Konto mit P-Konto-Option und App-Steuerung

Du hast gesetzlich Anspruch auf ein P-Konto – notfalls hilft eine Schuldnerberatung bei der Durchsetzung.

Was passiert bei einer Kontopfändung ohne P-Konto?

Wenn du kein P-Konto hast und dein Konto gepfändet wird, darf die Bank dein gesamtes Guthaben an den Gläubiger weiterleiten. Du bekommst kein Geld mehr ausgezahlt – auch nicht für Miete, Lebensmittel oder Medikamente. Deshalb ist es wichtig, dein Konto rechtzeitig umzuwandeln.

Wie wandelst du dein Konto in ein P-Konto um?

  • Stelle einen schriftlichen Antrag bei deiner Bank.
  • Verweise auf § 850k ZPO (Pfändungsschutzkonto).
  • Die Umwandlung muss innerhalb von 4 Werktagen erfolgen.
  • Du darfst nur ein P-Konto gleichzeitig führen.

Wenn die Bank sich weigert, kannst du dich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) oder eine Schuldnerberatungsstelle wenden.

Wie erhöhst du deinen Pfändungsfreibetrag?

Der Basisschutz von 1.410 € pro Monat gilt automatisch. Du kannst ihn erhöhen, wenn du z. B. unterhaltspflichtig bist oder Sozialleistungen bekommst. Dafür brauchst du eine Bescheinigung – erhältlich bei:

  • Jobcenter oder Sozialamt
  • Familienkasse (bei Kindergeld)
  • anerkannter Schuldnerberatung
  • Rechtsanwalt oder Notar

Auch ohne festen Wohnsitz hast du Anspruch auf diese Bescheinigungen, wenn du z. B. Leistungen vom Jobcenter beziehst.

FAQ – Kontopfändung ohne festen Wohnsitz

Kann ich ohne festen Wohnsitz ein P-Konto führen?
Ja. Eine Meldeadresse ist keine Voraussetzung. Du brauchst lediglich eine erreichbare Postadresse.

Was passiert, wenn mein Konto gepfändet wird und ich kein P-Konto habe?
Dann wird dein gesamtes Guthaben an den Gläubiger überwiesen. Du kannst nicht mehr über dein Geld verfügen.

Wie lange dauert die Umwandlung in ein P-Konto?
Spätestens 4 Werktage nach Antragstellung muss die Bank dein Konto umwandeln.

Was ist, wenn ich keine Adresse habe?
Du kannst eine Postadresse bei Freunden, Familie oder einer Beratungsstelle angeben. Wichtig ist, dass du dort erreichbar bist.

Fazit: Auch ohne Wohnsitz musst du dein Geld nicht verlieren

Eine Kontopfändung ist belastend – aber du bist nicht schutzlos. Auch ohne festen Wohnsitz hast du das Recht auf ein P-Konto, auf Pfändungsschutz und auf staatliche Unterstützung. Wichtig ist, dass du schnell handelst, dein Konto schützt und dich bei Bedarf beraten lässt. Auf konto-ohne-wohnsitz.de findest du weitere Tipps, Musterbriefe und Hilfe bei der Suche nach einer passenden Bank oder Beratungsstelle.


Letzte Aktualisierung: Juli 2025

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