Viele Menschen in Deutschland haben keinen festen Wohnsitz – sei es durch Obdachlosigkeit, eine Übergangssituation oder ein Leben als digitaler Nomade. Trotzdem ist ein Bankkonto unverzichtbar, um Sozialleistungen zu erhalten, Überweisungen zu tätigen oder am alltäglichen Zahlungsverkehr teilzunehmen. Seit 2016 gibt es ein Recht auf ein Basiskonto, auch ohne Wohnsitz. Trotzdem kommt es häufig vor, dass Banken den Antrag verweigern. Mit einem gut formulierten Musterbrief kannst du dein Recht durchsetzen. In diesem Artikel erhältst du einen kostenlosen Musterbrief für den Antrag auf ein Basiskonto sowie alle wichtigen Informationen.
Rechtliche Grundlage: Anspruch auf ein Basiskonto
Die gesetzliche Grundlage ist das Zahlungskontengesetz (§ 31 ZKG). Es verpflichtet Banken in Deutschland, jedem Verbraucher ein Basiskonto zur Verfügung zu stellen – unabhängig von Einkommen, Bonität oder Wohnsitz. Dieses Recht gilt ausdrücklich auch für:
- Menschen ohne festen Wohnsitz
- Wohnungslose oder Obdachlose
- Geflüchtete mit Aufenthaltsstatus
- EU-Bürger ohne Meldeadresse in Deutschland
Das Basiskonto ermöglicht alle grundlegenden Bankgeschäfte: Überweisungen, Lastschriften, Daueraufträge und Kartenzahlungen. Ein Dispokredit oder klassische Kreditkarten sind dabei ausgeschlossen – es handelt sich um ein reines Guthabenkonto.
Warum ein Musterbrief sinnvoll ist
Viele Banken versuchen, Anträge von Personen ohne Wohnsitz abzulehnen. Typische Gründe sind fehlende Meldeadresse oder interne Richtlinien. Ein Musterbrief hilft dir, dein Recht klar zu formulieren und dich auf die gesetzlichen Grundlagen zu berufen. So machst du der Bank deutlich, dass du Anspruch auf ein Konto hast und eine Ablehnung nicht rechtmäßig wäre.
Musterbrief: Antrag auf ein Basiskonto ohne Wohnsitz
Hier findest du einen kostenlosen Musterbrief, den du bei deiner Bank einreichen kannst. Passe ihn mit deinen Daten an und sende ihn per Post oder gib ihn in der Filiale ab.
Musterbrief Basiskonto ohne Wohnsitz
[Dein Name] [Geburtsdatum] [Postadresse / Kontaktadresse]
[Bankname] [Filiale / Adresse]
Antrag auf Eröffnung eines Basiskontos gemäß § 31 ZKG
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit beantrage ich die Eröffnung eines Basiskontos nach den Vorgaben des Zahlungskontengesetzes (§ 31 ZKG). Laut Gesetz haben alle Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der Europäischen Union ein Recht auf ein Basiskonto – auch ohne festen Wohnsitz.
Ich verfüge über einen gültigen Personalausweis/Reisepass zur Identifikation. Für die Zustellung von Kontoauszügen und Bankkarten nutze ich folgende Postadresse:
[Hier deine Postadresse einfügen]
Ich bitte um zügige Bearbeitung meines Antrags. Sollte Ihr Institut meinen Antrag ablehnen, bitte ich um eine schriftliche Begründung unter Angabe der rechtlichen Grundlage. Andernfalls behalte ich mir vor, eine Beschwerde bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einzureichen.
Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift]
Wie du den Musterbrief richtig einsetzt
- Drucke den Brief aus und trage deine persönlichen Daten ein.
- Füge eine Kopie deines Ausweises hinzu.
- Reiche den Antrag persönlich in der Filiale ein oder sende ihn per Einschreiben.
- Fordere eine Eingangsbestätigung oder einen Stempel auf deiner Kopie.
Falls die Bank deinen Antrag ablehnt, verlange eine schriftliche Begründung. Diese brauchst du, um dich bei der BaFin zu beschweren.
Was tun bei Ablehnung?
Auch wenn du ein gesetzliches Recht hast, kommt es in der Praxis zu Ablehnungen. Dann kannst du wie folgt vorgehen:
- Schriftliche Ablehnung verlangen: Die Bank muss dir die Gründe nennen.
- Beschwerde bei der BaFin einreichen: Diese prüft deinen Anspruch.
- Verbraucherzentrale kontaktieren: Sie unterstützt dich bei rechtlichen Fragen.
- Andere Bank aufsuchen: Auch Sparkassen oder Direktbanken müssen Basiskonten anbieten.
Tipps für eine erfolgreiche Kontoeröffnung
- ✅ Immer mit gültigem Ausweis zur Bank gehen
- ✅ Eine Postadresse angeben, unter der du erreichbar bist
- ✅ Dich auf das Zahlungskontengesetz (§ 31 ZKG) berufen
- ✅ Musterbrief nutzen, um deinen Anspruch klar zu formulieren
Alternativen bei Problemen
Falls es mit einem Basiskonto nicht klappt, kannst du auf Alternativen zurückgreifen:
- Prepaid-Kreditkarten: Viabuy, Revolut oder PayCenter bieten flexible Lösungen ohne Wohnsitz.
- Direktbanken: N26, bunq oder Tomorrow akzeptieren oft Postadressen statt Meldeadresse.
- P-Konto: Bei Pfändungen kannst du dein Basiskonto als Pfändungsschutzkonto führen.
Fazit: Mit Musterbrief dein Konto ohne Wohnsitz sichern
Ein Konto ist auch ohne Wohnsitz dein gutes Recht. Mit dem richtigen Vorgehen und einem Musterbrief kannst du dieses Recht erfolgreich durchsetzen. Ob bei Sparkasse, Volksbank oder Direktbanken – Banken sind verpflichtet, dir ein Basiskonto einzurichten. Lass dich nicht abwimmeln: Nutze den Musterbrief, fordere eine schriftliche Begründung bei Ablehnung und setze dein Recht notfalls mit Hilfe der BaFin durch. Auf konto-ohne-wohnsitz.de findest du alle Informationen, Vorlagen und Hilfestellungen für deine Kontoeröffnung in schwierigen Lebenslagen.
