Welche Unterlagen braucht man wirklich für eine Kontoeröffnung ohne Adresse?

Ein Bankkonto ist heute unverzichtbar: für Lohnzahlungen, Miete, Online-Shopping und ganz allgemein für die Teilnahme am wirtschaftlichen Leben. Doch was passiert, wenn man keine feste Adresse hat – etwa, weil man im Ausland lebt, keine Meldeadresse besitzt oder obdachlos ist?

Viele Betroffene fragen sich: Welche Unterlagen braucht man wirklich für eine Kontoeröffnung ohne Adresse? Gibt es Ausnahmen? Welche Banken akzeptieren weniger Nachweise? Und welche Rechte hat man laut Gesetz?

Dieser Artikel liefert dir einen umfassenden Überblick und zeigt, wie du auch ohne festen Wohnsitz ein Konto eröffnen kannst.


Rechtliche Grundlage: Jeder hat Anspruch auf ein Basiskonto

Seit 2016 gilt in Deutschland die EU-Zahlungskontenrichtlinie (2014/92/EU). Darin ist festgelegt, dass jede Person mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU ein Recht auf ein Basiskonto hat – unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation.

Das bedeutet konkret:

  • Auch Menschen ohne festen Wohnsitz dürfen ein Konto eröffnen.
  • Auch Personen mit negativer Schufa haben Anspruch.
  • Banken dürfen Anträge nicht pauschal ablehnen.

Allerdings gilt: Für die Kontoeröffnung sind Mindestunterlagen zur Identitätsprüfung erforderlich.


Unterlagen, die in der Regel verlangt werden

Egal ob Basiskonto, Girokonto oder Onlinekonto – Banken müssen die Identität ihrer Kunden prüfen (Geldwäschegesetz, GwG). Daher wirst du bei einer Kontoeröffnung ohne Adresse in den meisten Fällen folgende Dokumente benötigen:

  1. Gültiger Ausweis oder Reisepass
    • Personalausweis (bei deutschen Staatsbürgern)
    • Reisepass (bei Ausländern oder Deutschen ohne Ausweis)
    • Oft mit biometrischem Abgleich (PostIdent, VideoIdent)
  2. Alternative Anschrift
    • Eine Meldeadresse ist nicht zwingend nötig, aber Banken fragen meist nach einer Kontaktanschrift.
    • Möglich sind: Postfach, Adresse einer Beratungsstelle, Unterkunft, oder die Adresse einer befreundeten Person (Postanschrift ≠ Wohnsitz!).
  3. Aufenthaltsstatus (bei Ausländern)
    • Aufenthaltstitel oder Nachweis des rechtmäßigen Aufenthalts in Deutschland.
    • Für EU-Bürger reicht der Reisepass.

Welche Unterlagen sind nicht zwingend erforderlich?

Oft herrscht Unsicherheit, welche Nachweise wirklich Pflicht sind. Folgendes ist keine gesetzliche Pflicht:

  • Mietvertrag oder Meldebescheinigung: Eine Meldeadresse ist hilfreich, aber nicht zwingend vorgeschrieben.
  • Einkommensnachweise: Für ein Basiskonto nicht erforderlich (außer bei Kreditkarten oder Dispo).
  • Arbeitsvertrag: Banken dürfen diesen Nachweis nicht verlangen.

Sonderfall: Obdachlose in Deutschland

Auch Wohnungslose haben Anspruch auf ein Konto. Hier gelten erleichterte Bedingungen:

  • Nachweise können über eine Postadresse bei einer sozialen Einrichtung erfolgen (z. B. Caritas, Diakonie, Stadtmission).
  • Manche Städte bieten offizielle Postadressen für Obdachlose an.
  • Das Konto wird als Basiskonto eröffnet – mit den Grundfunktionen (Überweisungen, Lastschriften, Bargeld).

Sonderfall: Ausländer ohne Wohnsitz in Deutschland

Wer im Ausland lebt, aber ein Konto in Deutschland eröffnen möchte, benötigt:

  • Reisepass
  • Wohnsitznachweis im Ausland (kann auch eine Rechnung oder ein offizielles Schreiben sein)
  • Je nach Bank: Steuer-Identifikationsnummer (TIN)

👉 Tipp: Hier bieten sich oft digitale Banken (FinTechs) an, da sie internationaler ausgerichtet sind.


Banken, die Kontoeröffnung ohne feste Adresse ermöglichen

Einige Banken und FinTechs haben sich auf flexible Lösungen spezialisiert:

  • N26: Onlinekonto, Registrierung nur mit Ausweis und Smartphone.
  • bunq: Europäisches Konto, keine Meldeadresse in Deutschland nötig.
  • Tomorrow: Nachhaltige Onlinebank, Anmeldung per Reisepass.
  • Commerzbank & Deutsche Bank: Bieten explizit Basiskonten für Personen ohne Wohnsitz.
  • Sparkassen & Volksbanken: Regional oft kulant, besonders bei Obdachlosen.

Typische Probleme bei der Kontoeröffnung ohne Adresse

Trotz Rechtsanspruch kommt es in der Praxis zu Schwierigkeiten:

  • Bankmitarbeiter sind nicht informiert: Manche Filialen kennen die Basiskonto-Regelung nicht.
  • Ablehnung wegen „fehlender Adresse“: Dabei reicht eine Postanschrift aus.
  • Lange Bearbeitungszeiten: Besonders bei klassischen Banken.
  • Einschränkungen im Leistungsumfang: Kein Dispo, keine Kreditkarte – nur Basisfunktionen.

Tipps für die erfolgreiche Kontoeröffnung ohne Adresse

  1. Vorbereitung ist alles: Nimm Ausweis, Pass und ggf. Nachweis des Aufenthalts mit.
  2. Postanschrift angeben: Auch wenn kein Wohnsitz vorhanden ist, eine Zustelladresse erleichtert vieles.
  3. Basiskonto explizit beantragen: Darauf hast du einen Rechtsanspruch.
  4. Im Zweifel schriftlich beantragen: So muss die Bank eine Ablehnung begründen.
  5. Alternativen nutzen: Onlinebanken oder Auslandskonten sind oft unkomplizierter.

Häufige Fragen (FAQ)

Braucht man zwingend eine Meldeadresse?
Nein. Eine Postanschrift reicht, wenn du keinen festen Wohnsitz hast.

Kann die Bank meinen Antrag ablehnen?
Nur in Ausnahmefällen, z. B. bei schweren Straftaten gegen die Bank oder missbräuchlicher Nutzung.

Bekomme ich auch eine EC- oder Kreditkarte?
Bei Basiskonten gibt es meist nur eine Debitkarte (V-Pay, Maestro oder Mastercard Debit).

Kann ich ein Konto ohne Schufa eröffnen?
Ja, Basiskonten müssen unabhängig von der Schufa gewährt werden.


Fazit: Welche Unterlagen braucht man wirklich?

Für die Kontoeröffnung ohne Adresse sind in Deutschland folgende Unterlagen entscheidend:

  • Ausweis oder Reisepass (Pflicht!)
  • Postanschrift (keine Meldeadresse nötig, aber Kontaktadresse erforderlich)
  • Aufenthaltsstatus (bei Ausländern außerhalb der EU)

Alles andere – Mietvertrag, Einkommen, Arbeitsvertrag – ist nicht zwingend vorgeschrieben.

👉 Wichtig: Jeder hat einen Rechtsanspruch auf ein Basiskonto. Lass dich also nicht von uninformierten Bankmitarbeitern abweisen. Mit der richtigen Vorbereitung ist auch ohne festen Wohnsitz ein Konto möglich.

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